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Copa América 2024 Finale: Argentinien 1:0 Kolumbien — Messis goldene Krönung

Argentinien hat in Miami seinen Titel bei der Copa América verteidigt und Kolumbien am Sonntagabend (Ortszeit) mit 1:0 nach Verlängerung bezwungen. Den entscheidenden Treffer im Hard Rock Stadium erzielte Lautaro Martínez in der 112. Minute.

Ein Endspiel, das später begann als geplant

Das Finale der 48. Copa América startete mit 82 Minuten Verspätung. Vor dem Hard Rock Stadium in Miami Gardens war es zu chaotischen Szenen gekommen: Tausende Fans ohne Ticket versuchten, die Einlasskontrollen zu durchbrechen, mehrere Tore wurden zeitweise geschlossen. Die für 20.00 Uhr Ortszeit angesetzte Partie wurde erst um 21.22 Uhr angepfiffen. Die CONMEBOL und der Veranstalter standen in der Folge erheblich in der Kritik, zumal das Stadion mit 65.300 Zuschauern offiziell ausverkauft gemeldet war.

Schiedsrichter Raphael Claus aus Brasilien begann das Spiel schließlich vor einer angespannten, aber zur Mehrheit weiß-himmelblau gekleideten Kulisse. Argentiniens Trainer Lionel Scaloni schickte die erwartete Elf um Kapitän Lionel Messi auf den Rasen, Kolumbiens Coach Néstor Lorenzo setzte auf das eingespielte 4-2-3-1 mit James Rodríguez als Zehner und Luis Díaz auf dem linken Flügel.

Hälfte eins: Kolumbien dominiert die Räume

Die erste Halbzeit gehörte überraschend deutlich den Kolumbianern. Die Mannschaft von Lorenzo, seit 28 Pflichtspielen ungeschlagen, kontrollierte das Mittelfeld über Richard Ríos und Jefferson Lerma, während Argentinien sich auffallend schwer tat, Zugriff zu finden. Messi wirkte gehemmt, Ángel Di María, der nach diesem Turnier sein Karriereende in der Nationalmannschaft angekündigt hatte, bekam kaum Bälle in die gefährlichen Zonen.

Die beste Chance der ersten 45 Minuten hatte Díaz in der 24. Minute: Der Liverpool-Profi setzte sich gegen Nahuel Molina durch, zog von links in die Mitte, sein Abschluss aus 14 Metern flog jedoch knapp am rechten Pfosten von Emiliano Martínez vorbei. Argentinien selbst kam in Hälfte eins zu keinem einzigen Schuss aufs Tor — eine Statistik, die in einem WM-Sieger-Team Selten­heits­wert hat.

Messis Tränen und der Wechsel, der das Spiel kippte

In der 36. Minute knickte Messi nach einem Zweikampf mit Santiago Arias unglücklich um. Der 37-Jährige spielte sichtlich angeschlagen weiter, musste aber in der 66. Minute unter Tränen den Platz verlassen — ersetzt durch Nicolás González. Die Bilder des weinenden Kapitäns auf der Bank, das Eispack am rechten Knöchel, gingen umgehend um die Welt.

Mit der Hereinnahme von Giovani Lo Celso (66.) und später Paulo Dybala (97.) verlagerte Scaloni Argentiniens Schwerpunkt nach vorn. Kolumbien blieb die spielbestimmende Mannschaft, fand aber gegen die nun tief stehende Albiceleste keine Lücken mehr. In die regulären 90 Minuten ging es trotz Überlegenheit der Kolumbianer torlos — Daniel Muñoz hatte in der 81. Minute eine Großchance vergeben, sein Kopfball aus fünf Metern landete in den Armen von Martínez.

Die Verlängerung gehört Lautaro

Die erste Hälfte der Verlängerung verlief zerfahren. Beide Teams wirkten nach 90 intensiven Minuten und 30 Grad Außentemperatur ausgelaugt. Erst nach dem Seitenwechsel kam der Moment, auf den Argentinien das ganze Turnier hingearbeitet hatte: In der 112. Minute spielte Lo Celso einen sehenswerten Steckpass durch die kolumbianische Abwehrkette, Lautaro Martínez löste sich von Davinson Sánchez und schob den Ball aus zwölf Metern flach links unten an Camilo Vargas vorbei. Es war das fünfte Turniertor des Inter-Mailand-Stürmers — Lautaro wurde damit zum Torschützenkönig der Copa América 2024.

Kolumbien warf in den verbleibenden Minuten alles nach vorn, doch die argentinische Defensive um Cristian Romero und Nicolás Otamendi ließ keinen Treffer mehr zu. In der 117. Minute sah Kolumbiens Lerma nach einem Foul an Rodrigo De Paul Gelb-Rot, in der Nachspielzeit flog auch Trainer Lorenzo nach Protesten von der Bank. Als Claus nach 124 gespielten Minuten abpfiff, brachen auf dem Rasen die Dämme.

Was dieser Titel bedeutet

Mit dem 16. Copa-América-Titel zieht Argentinien in der ewigen Bestenliste an Uruguay (15) vorbei und ist nun alleiniger Rekordsieger. Für Messi ist es nach dem WM-Triumph 2022 und dem Copa-Sieg 2021 die dritte große Trophäe innerhalb von drei Jahren — ein Zyklus, den vor ihm in dieser Form nur wenige Spieler erlebt haben. Ob der 37-Jährige nach diesem Turnier in der Albiceleste weitermacht, ließ er nach dem Spiel offen: „Ich werde Tag für Tag entscheiden."

Trainer Scaloni, der nach dem WM-Finale 2022 noch über einen Rücktritt nachgedacht hatte, hat damit binnen 31 Monaten zwei Titel mit derselben Kern-Mannschaft geholt. Die Generation um Messi, Di María und Otamendi verabschiedet sich Stück für Stück, doch mit Julián Álvarez (24), Enzo Fernández (23) und Alexis Mac Allister (25) steht der Übergang bereit.

Auf Kolumbiens Seite endet eine bemerkenswerte Serie: Lorenzos Team war seit Februar 2022 ohne Niederlage geblieben, 28 Spiele lang. Trotz der Niederlage gilt die Mannschaft als einer der ernsthaften Kandidaten für die WM 2026, deren Qualifikation in Südamerika bereits läuft. In den einschlägigen Community-Diskussionen — etwa im Z3 Forum, wo derzeit ausführlich über Quoten und Kader-Perspektiven zur WM 2026 debattiert wird — werden die Kolumbianer nach diesem Finale jedenfalls deutlich höher gehandelt als noch vor sechs Wochen.

Der Blick nach vorn

Für Argentinien geht es im September in der WM-Qualifikation gegen Chile und Kolumbien weiter — bereits ein erstes Wiedersehen mit dem heutigen Gegner. Die Auslosung zur WM-Endrunde 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ist für Dezember 2025 vorgesehen. Bis dahin muss Scaloni klären, wie viele seiner Champions noch dabei sein werden und wer den Generationenwechsel mitträgt. Die Diskussion darüber, ob Messi in zwei Jahren mit dann 39 Jahren noch einmal eine WM spielen kann, hat in dieser Nacht in Miami eine neue Dynamik bekommen.

Bemerkenswert bleibt aus Sicht des Beobachters vor allem dies: Argentinien hat in Miami ein Finale gewonnen, in dem es über weite Strecken die schlechtere Mannschaft war. Das ist keine Schande, sondern der Ausweis eines Titelträgers, der weiß, wie man knappe Spiele übersteht. Wer im Stadion saß und die letzten zehn Minuten der Verlängerung gesehen hat, der ahnte: Diese Generation findet immer noch einen Weg. Vielleicht ist das die eigentliche Geschichte dieses Abends — nicht Messis Tränen, sondern Lautaros kühler Schuss ins lange Eck.

Über den Autor

Jens Kunz, Sportreporter aus Köln. Zwölf Jahre Stadion-Erfahrung von der 2. Bundesliga bis zur Champions League. Schreibt für swpkontakt.org über Bundesliga, internationalen Fußball und Multisport-Großereignisse.