El Clásico Oktober 2024: 4:0 Barcelona — Wendepunkt der Liga
Es war kein Spiel, es war eine Demontage: Im Estadio Santiago Bernabéu hat der FC Barcelona Real Madrid mit 4:0 zerlegt und sich an der Tabellenspitze der Primera División festgesetzt.
Ein Abend, der die Liga neu sortiert
Am 26. Oktober 2024, kurz vor 22 Uhr Ortszeit, war das Spiel entschieden. Robert Lewandowski hatte zweimal getroffen, Lamine Yamal das dritte Tor erzielt, Raphinha das vierte nachgelegt. Real Madrid, amtierender Meister und Champions-League-Sieger, stand auf eigenem Rasen ohne Antwort da. Es war das höchste Auswärts-Ergebnis Barcelonas im Bernabéu seit 2009, als Pep Guardiolas Mannschaft an gleicher Stätte 6:2 gewann. Für Trainer Hansi Flick, im Sommer ohne große Euphorie aus München nach Katalonien gewechselt, war es der bislang wichtigste Abend seiner kurzen Amtszeit.
Vor der Partie hatte Barça bereits zwei Punkte Vorsprung auf Real. Nach dem Schlusspfiff waren es fünf. Vor allem aber war es ein psychologisches Signal: Die Mannschaft, die in der Saison zuvor in 14 Pflichtspielen gegen Real kein einziges gewinnen konnte, schlug die Königlichen in einem direkten Duell ohne Diskussion.
Flicks Hochrisiko-Plan funktioniert
Flick ließ in einem 4-2-3-1 spielen, mit einer extrem hohen Viererkette. Die Abwehr stand bei Real-Ballbesitz teils an der Mittellinie, lockte Vinícius Júnior und Kylian Mbappé immer wieder ins Abseits. Achtmal stand Mbappé in dieser Stellung, ein Wert, der in einem Clásico zuvor nie erreicht worden war. Der Franzose erzielte in der 36. Minute zwar den vermeintlichen Führungstreffer, doch der VAR nahm das Tor wegen einer Abseitsstellung um wenige Zentimeter zurück.
Vor der Pause stand es 0:0, aber die Statistik gab bereits Hinweise: Barça hatte 58 Prozent Ballbesitz, sechs Schüsse, drei davon auf das Tor von Andrij Lunin. Thibaut Courtois fehlte verletzt, und der Ukrainer wirkte bei den hohen Hereingaben unsicher. Flick reagierte zur Halbzeit nicht — er musste auch nicht.
Lewandowski in der Form eines 26-Jährigen
In der 54. Minute öffnete Marc Casadó das Spiel mit einem Diagonalpass auf Raphinha. Der Brasilianer flankte flach in den Strafraum, wo Lewandowski zwischen Antonio Rüdiger und Aurélien Tchouaméni einköpfte — 1:0. Ein klassisches Mittelstürmer-Tor, sein achter Liga-Treffer in elf Spielen. Vier Minuten später dann das 2:0: Yamal setzte sich rechts gegen Ferland Mendy durch, sein Pass in den Rückraum landete bei Lewandowski, der aus elf Metern flach einschob. 56. Minute, 2:0, Spiel gekippt.
Der 36-jährige Pole, in München zum Saisonende fast schon als Auslaufmodell abgestempelt, führt damit die Torjägerliste der Primera División vor Mbappé an. Seine Quote: 14 Tore in 14 Pflichtspielen für Barça. Bemerkenswert auch seine Laufleistung: 10,8 Kilometer, deutlich über seinem Saisonschnitt von 9,4.
Lamine Yamal, 17 Jahre alt, im Bernabéu wie zu Hause
Die eigentliche Geschichte des Abends aber heißt Lamine Yamal. Der Außenstürmer, am 13. Juli zum Europameister gekrönt und am 13. Oktober erst 17 Jahre und drei Monate alt geworden, spielte einen Clásico, wie es vor ihm wenige in diesem Alter getan haben. In der 77. Minute, nach einem schnellen Konter über Pedri und Raphinha, schob Yamal aus zwölf Metern überlegt ins linke Eck — 3:0. Sein erstes Tor im Bernabéu, sein viertes Liga-Tor der Saison.
Sechs Minuten später setzte Raphinha den Schlusspunkt. Nach einem verlorenen Real-Eckball lief der Brasilianer rund 60 Meter, ließ Lucas Vázquez stehen und vollendete zum 4:0. In den letzten Minuten wechselte Carlo Ancelotti dreifach, ohne erkennbares Konzept. Jude Bellingham, in der Vorsaison Liga-MVP, verließ den Platz mit hängendem Kopf. Sein Statistikblatt: 38 Ballkontakte, kein Torschuss, eine Schlüsselaktion. So wenig wie noch nie in einem Pflichtspiel für Real.
Ancelottis Probleme sind grundsätzlicher Natur
Für Carlo Ancelotti ist die Niederlage mehr als ein Ausrutscher. Die Integration Mbappés in eine ohnehin offensivlastige Mannschaft mit Vinícius, Rodrygo und Bellingham ist nach elf Spieltagen nicht gelungen. Die Mittelfeldzentrale mit Tchouaméni und Eduardo Camavinga wirkt überlastet, seit Toni Kroos im Sommer seine Karriere beendete. Hinten fehlt mit Dani Carvajal (Kreuzbandriss, Saison-Aus) und Éder Militão (ebenfalls Kreuzbandriss) bis zum Jahresende die gesamte Stamm-Defensive rechts.
Ancelotti sprach nach dem Spiel von "einem schlechten Tag". Die spanische Presse, allen voran die Marca, war am Sonntagmorgen deutlicher: "Humilliación" titelte das Blatt. In den Foren der Anhänger — auch im deutschsprachigen Z3 Forum, wo neben WM-2026-Quoten regelmäßig auch die Topspiele der europäischen Ligen diskutiert werden — wurde vor allem die Aufstellung kritisiert: Lucas Vázquez als Rechtsverteidiger, dazu Rüdiger gegen die schnellen Flanken-Spieler Yamal und Raphinha — eine Konstellation, die Flick gnadenlos ausnutzte.
Was die Liga aus dem Abend mitnimmt
Mit dem Sieg führt Barça die Tabelle nach elf Spieltagen mit 30 Punkten an, Real folgt mit 24. Der Vorsprung ist nicht uneinholbar, aber die Mannschaft Flicks spielt derzeit mit einer Selbstverständlichkeit, die nach dem chaotischen Xavi-Ende kaum jemand erwartet hatte. 35 Tore in elf Spielen, dahinter eine Defensive, die mit Pau Cubarsí (18 Jahre) und Iñigo Martínez überraschend stabil steht.
Für Real geht es am Mittwoch in der Champions League gegen den AC Mailand weiter, danach kommt am Sonntag Osasuna ins Bernabéu. Ancelotti braucht Antworten — schnell. Barcelona empfängt Espanyol im Stadtderby und reist anschließend zu Roter Stern Belgrad. Das nächste Clásico steigt am 11. Mai 2025, im Estadi Olímpic Lluís Companys, weil das Camp Nou wegen Umbau weiter nicht bespielbar ist.
Beobachtenswert ist, wie schnell sich die Hierarchien im spanischen Fußball verschieben können. Vor fünf Monaten holte Real das Double aus Liga und Champions League. Heute ist Barça das Maß der Dinge. Lewandowski, totgesagt, ist Torschützenkönig. Yamal, vor zwei Jahren noch Schüler in La Masia, schraubt am eigenen Mythos. Und Flick, in München mit einem Triple gestartet und doch entlassen, hat sich in vier Monaten einen Ruf erarbeitet, den Xavi Hernández in zweieinhalb Jahren nie ganz zementieren konnte. Der Abend des 26. Oktober wird in den Statistiken stehen, aber sein eigentlicher Wert ist ein anderer: Er hat gezeigt, dass das Bernabéu kein uneinnehmbarer Ort mehr ist. Auch das ist eine Nachricht.