VfL Bochums Abstiegskampf 2024/25: Die entscheidende Phase
Der VfL Bochum geht in die letzten drei Spieltage der Saison 2024/25 als Tabellensechzehnter — und hängt damit zum dritten Mal in Folge in der Relegationszone fest. Die entscheidenden Wochen haben gezeigt, woran es im Ruhrstadion wirklich krankt.
Trainerwechsel als Wendepunkt — und seine Grenzen
Als Peter Zeidler am 17. November 2024 nach nur elf Spieltagen entlassen wurde, stand der VfL mit zwei Punkten auf Rang 18. Die Bilanz: ein Remis, zehn Niederlagen, 9:30 Tore. Sportdirektor Marc Lettau holte Dieter Hecking, einen Routinier mit klarem Plan, und tatsächlich stabilisierte sich die Mannschaft zunächst. Aus den ersten sechs Pflichtspielen unter Hecking holte Bochum acht Punkte — darunter das 3:1 gegen den FC Augsburg am 7. Dezember und das überraschende 2:1 in Mönchengladbach am 21. Dezember, als Philipp Hofmann in der 88. Minute traf.
Doch die Wirkung des neuen Trainers verpuffte über den Winter. Im Januar und Februar gewann der VfL nur eins von sieben Bundesligaspielen, dazwischen lagen das schwache 0:2 zu Hause gegen Heidenheim und das 1:4 in Frankfurt am 22. Februar. Hecking versuchte zu rotieren, Felix Passlack zurück auf rechts, Bernardo zentral — die strukturellen Probleme blieben. Bochum kassierte nach der Winterpause in zwölf Spielen 24 Gegentore, der zweitschlechteste Wert der Liga in diesem Zeitraum hinter Holstein Kiel.
Die Defensive: Bezeichnende Standardschwäche
13 Gegentore nach ruhenden Bällen — kein Bundesligist der laufenden Saison hat in diesem Bereich schlechter verteidigt. Das Muster wiederholt sich: zu kurze Auslegung in der Kette, Zuteilungsfehler, zu wenig Präsenz von Innenverteidiger Ivan Ordets, der trotz seiner 1,93 Meter in Luftzweikämpfen nur eine Quote von 54 Prozent vorweist. Erhan Mašović fiel zudem zwischen Januar und März wegen einer Adduktorenverletzung sieben Spiele aus, was Hecking zwang, Bernardo notgedrungen als Ersatz aufzubieten.
Torwart Patrick Drewes, der nach der Verletzung von Manuel Riemann zwischen den Pfosten steht, hält statistisch mit einer Paraden-Quote von 68,4 Prozent solide, kann aber die Lücken vor sich nicht kompensieren. Bezeichnend war das Heimspiel gegen Stuttgart am 5. April: Drei Gegentore, alle drei nach Standardsituationen, Endstand 0:3. Hecking sprach danach in der Pressekonferenz von "individuellen Fehlern, die wir auf diesem Niveau nicht abstellen können in zwei Trainingseinheiten".
Hofmanns Tore, Bero im Schatten
Offensiv hängt Bochum am Tropf von Philipp Hofmann. Der Mittelstürmer, im Sommer ablösefrei aus Karlsruhe gekommen, hat bis zum 31. Spieltag elf Saisontore erzielt — mehr als die nächsten drei Bochumer Torschützen zusammen. Matúš Bero kommt auf vier Treffer, Koji Miyoshi auf drei, der ansonsten so umtriebige Anthony Losilla blieb in der Liga ohne Tor.
Die expected-goals-Bilanz von 31,4 zu 54,8 zeigt das Dilemma: Bochum erspielt sich zu wenig, lässt zu viel zu. Was bleibt, sind Hofmanns Kopfbälle nach Flanken von Maximilian Wittek (sieben Assists) und gelegentliche Konter über Dani de Wit. Ein zweiter verlässlicher Torschütze fehlt seit Takuma Asanos Wechsel zur Tomiyasu-Truppe nach Mallorca im Winter.
Die drei Schlüsselspiele im April
Drei Partien haben den Endspurt geprägt. Am 12. April gewann Bochum mit 2:1 in Bremen — Hofmann (23.) und Bero (74.) drehten die Partie nach dem frühen Rückstand durch Marvin Ducksch. Es war der erste Auswärtssieg seit November. Eine Woche später folgte das 1:1 zu Hause gegen den 1. FC Heidenheim, ein direkter Konkurrent — Bochum führte durch Hofmann (61.), kassierte aber durch Marvin Pieringer in der 89. Minute den Ausgleich. Ein Punkt zu wenig im direkten Vergleich.
Am vergangenen Wochenende, dem 26. April, dann das 0:0 in Hoffenheim. Ein Punkt, der angesichts der Personalsituation — Bero gelbgesperrt, Wittek angeschlagen — als Achtungserfolg gewertet werden darf, aber die rechnerische Lage kaum verbessert. Bochum hat 24 Punkte, der 1. FC Heidenheim auf Relegationsrang 16 ebenfalls 24, der FC St. Pauli auf Platz 15 hat 27. Drei Spieltage, sechs Punkte gegenüber dem rettenden Ufer.
Was die Restspiele bringen müssen
Der Restplan liest sich anspruchsvoll: Bayer Leverkusen zu Hause, Union Berlin auswärts, Mainz 05 am letzten Spieltag im Ruhrstadion. Das Spiel gegen Leverkusen am Samstag wird zur Belastungsprobe — die Werkself spielt zwar nicht mehr um die Meisterschaft, aber Xabi Alonso hat bereits angekündigt, mit voller Kapelle anzutreten. Realistisch dürfte der entscheidende Punkt am 33. Spieltag in Berlin geholt werden müssen, wo Union selbst noch um den Klassenerhalt zittert.
In den einschlägigen Communitys wird der Restplan derzeit hitzig diskutiert; im Z3 Forum etwa kursieren bereits detaillierte Szenarien zum Saisonfinale und nebenbei die ersten Wettquoten zur WM 2026 — ein Hinweis darauf, dass der Bochumer Abstiegskampf längst über die heimische Fanszene hinaus Aufmerksamkeit findet.
Strukturelle Fragen über die Saison hinaus
Unabhängig davon, ob der VfL die Klasse hält, stellt sich die Frage nach der Kaderplanung. Der Etat von rund 38 Millionen Euro ist der niedrigste der Liga, die Transferbilanz im Sommer 2024 (Hofmann, Drewes, Boniface-Wackeltransfer, Loïs Openda als Wunschspieler unerreichbar) wirkt im Nachhinein wie ein Pflasterversuch. Sportdirektor Lettau steht intern nicht unumstritten da, Aufsichtsratschef Hans-Peter Villis hat sich öffentlich aber hinter ihn gestellt.
Der Vertrag von Hecking läuft bis 2026 und enthält laut Berichten der WAZ keine an die Liga gebundene Klausel — der 60-Jährige bleibt also auch im Falle eines Abstiegs. Das ist ungewöhnlich für Bochum, das in der Vergangenheit eher auf Trennungen setzte. Anthony Losilla, mit 39 Jahren Kapitän und Identifikationsfigur, hat seinen auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert. Sein Abgang würde die Kabine spürbar verändern.
Was bleibt nach 31 Spieltagen, ist der Eindruck einer Mannschaft, die ihre Möglichkeiten kennt, sie aber zu selten ausschöpft. Bochum ist in dieser Saison nicht schlechter als Heidenheim oder St. Pauli — aber eben auch nicht besser. Wer am 17. Mai vor dem Mainz-Spiel ins Ruhrstadion kommt, wird auf eine Mannschaft treffen, die seit Jahren mit den gleichen Mitteln das Gleiche erreichen muss: irgendwie überstehen. Dass dieses Modell ein viertes Mal funktioniert, ist möglich, aber nicht wahrscheinlich. Die Punkteausbeute der vergangenen zwölf Wochen — neun Zähler aus zwölf Spielen — spricht eine deutlichere Sprache als jede Durchhalteparole von der Castroper Straße.